Reflektionen

Nachbetrachtung zum Symposion KlimaKunstStädte: Cordula als Teammitglied

Eine Rückschau, ein prüfendes und vergleichendes Nachdenken zum Symposium am 21.09.2013:

 Für mich bedeutet Rückschau auch gern: für die folgende Arbeit Verbesserungen abzuleiten, Fehler zu vermeiden und vermindern und mich damit noch wohler zu fühlen.

 Die Zusammenarbeit von Anja, Gert, Helge und mir empfand ich als sehr fruchtbar.
 Nach anfänglichen Erschwernissen; wie zum Beispiel, der verschlossene Seminarraum; die nach und nach beseitigt werden konnten, hatten wir ein gutes Seminar, woraus Kontakte entstanden sind und unsere Kerngruppe aus meiner Sicht weiter zusammengewachsen ist. Mir ist wieder bestätigt worden, dass das, was sein soll auch stattfinden wird. 

Das Symposium war eine gelungene Veranstaltung, die angeregt hat, Kontakte ermöglicht hat, den Horizont erweitert hat ... Manche Inhalte hätten es mehr verdient herausgestellt zu werden, wie zum Beispiel die Künstlerin, die die Stuhlauflagen gefertigt hat.

 Schade, dass die meisten Initiativen außerhalb der Vorträge und workshops aus Zeitmangel ohne Resonanz blieben.

 Der Vortrag zur Speisekammer hätte etwas kürzer und mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein können. 

Eine für mich ganz wichtige Essenz:
 Nachhaltig, wie Adrienne Goehler vortrug, bedeutet auch, dass wir uns an das Verabredete halten.


Cordula Molthan nach dem 21.9. 2013

 

 

Nachbetrachtung zum Symposion KlimaKunstStädte: Gert als Teammitglied

Bei KlimaKunstStädte waren die Voraussetzungen geschaffen, dass sich Forum Ort des Treffens in einem offenen Umfeld präsentieren konnte mit allem, was wir an Werkzeugen zur Verfügung haben: Informationsmaterialien, Hörstation, Selbsttreffen, Workshop und das Einandertreffen eine Woche später.

Die Veranstaltung setzte aufgrund der Auswahl der Referentinnen und der Besucherinnen das Zeichen, dass Kultur und Nachhaltigkeit einander bedingen. Daraus folgt: Weil Wirtschaft und Gesellschaft einen Raubbau an Menschen und Erd-Ressourcen beitreiben, fehlt es an ebendieser Kultur, bessere Zustände herstellen zu können.

Dass sich dies künftig ändern könnte, käme einem Paradigmenwechsel gleich: Kunst und Kultur werden so gefördert, dass sie in der Lage sind, in der Gesellschaft eine relevante Rolle zu spielen.

Gert Schmidt nach dem 21.9. 2013

 

 

Nachbetrachtung zum Symposion KlimaKunstStädte: Helge als Teammitglied

Forum Ort des Treffens war erstmals in eine Gesamtveranstaltung eingebunden, die sich dem Thema Nachhaltigkeit mit künstlerischen Mitteln widmete. Mein Eindruck ist, dass wir uns dabei wohlfühlen konnten (subjektive Seite) und grundsätzlich richtig platziert waren (objektive Seite). Nicht nur das, darüber hinaus war unsere Teilnahme von besonderer Bedeutung - denn unsere Art der künstlerischen Arbeit hat einen besonderen Charakter, der sie zu einer Nahtstelle zwischen städtischer Gesellschaft und Kultur macht, ist also bei dem Thema zentral an der richtigen Stelle. Wir malen nicht, wir plastizieren nicht mit handfestem Material, wir arbeiten an einer sozialen Plastik. Nachhaltigkeit gehört unmittelbar und unabdingbar zu unserem künstlerischen Prozess. Nachhaltigkeit setzt ein bewusstes Leben und Reflektion voraus - dazu bieten wir den mobilen Reflektionsraum.

Der Workshop war in mehrfacher Hinsicht erfolgreich und fruchtbar für das Gesamtprojekt. Menschen kamen mit den verschiedensten Voraussetzungen und Erwartungen zu dem Workshop, ein Teil war von der Organisation wegen Überfüllung anderer Workshops zugeordnet worden. Trotzdem war es innerhalb kurzer Zeit möglich, alle "unter einen Hut zu bringen". Die offene und integrative Arbeitsweise vom Forum Ort des Treffens hat sich dafür bewährt. Ein einleitendes Referat mit Erläuterungen des Projekts, ergänzt von Teammitgliedern, genügte, um ein lebhaftes Gespräch mit klarstellenden Fragen in Gang zu setzen. Die meisten TeilnehmerInnen äußerten im Laufe der Zeit den Wunsch, an die praktische Ausführung zu gehen, also ein Selbsttreffen mit einem der Teammitglieder zusammen zu machen.
Der Workshop war eine gute Gelegenheit, Forum Ort des Treffens bekannter zu machen, andere Menschen zur Reflektion über Nachhaltigkeit anzuregen und die innere Formung des Teams voranzubringen.

Helge Mücke nach dem 21.9. 2013

 

 

Über unser Logo

Das Logo

Die zwei gelben Kreise des Logos reflektieren zwei miteinander verbundene Prozesse, die wesentlich für das Forum Ort des Treffens sind: den Prozess der Selbstbegegnung (Ort des Selbsttreffens) und den Prozess der Begegnung mit den Anderen (Ort des Einandertreffens).

Individuum und Gemeinschaft
Der kleine Kreis reflektiert das innere Selbst, in dem wir uns selbst mit unseren eigenen Fragen zum Sein gegenüberstehen, ausgesprochenen und unausgesprochenen. Der große Kreis reflektiert die Menschen, die das unsichtbare Feld von Gedanken, Glauben und Potenzial der Stadt erzeugen. Die Verbindung zwischen beiden Kreisen reflektiert die Rolle, die das individuelle Bewusstsein im sich entwickelnden Organismus spielt.

Anja Steckling am 16. Januar 2014  (redaktionell bearbeitet)

 

 

 

Gedanken aus Hannover zum "Ort des Treffens"

Die Hingabe, mit der Du, Shelley, und das Projektteam diesen Prozess für Hannover getragen habt, berührt mich. Ihr habt der Stadt etwas geschenkt. Ich sehe das Bild, dass sich mit jedem Standort des gelben Kreises während der vergangenen Monate in der Stadt, ein Fenster der Liebe geöffnet hat.

Jeder Ort des Treffens - eine Begegnung mit einem Menschen dieser Stadt mit liebevollem Verständnis, mit Respekt, mit Anteilnahme. Jeder Ort des Treffens - ein Anker des Bewusstseins. Jeder Ort des Treffens - ein Akt der Hingabe an die Stadt und an die Menschen.

Ort des Treffens stellt den Hannoveranern zwei Fragen: "Was tue ich auf der Erde?" und "Was bedeutet es für mich, auf der Welt zu sein?"

Es sind Fragen, die dem Menschen ermöglichen, sich selbst und sein Leben bewusst zu betrachten. Sich der Welt gegenüber zu stellen. Sich selbst bewusst in die Welt hineinzustellen.

Der gelbe Kreis schafft Raum. Raum für Reflexion - im Selbsttreffen. Raum, sich Fragen zu stellen, welche den Menschen ausmachen. Jeder Mensch kann sie sich stellen. Viele Menschen stellen sie sich. Oft im Verborgenen. Es ist leicht, sich allein zu fühlen mit seinen Fragen, mit seinen Antworten und mit den Fragen, welche die Antworten auf die Fragen wieder aufwerfen können. Es gibt vermutlich so viele unterschiedliche Antworten auf diese Fragen, wie es wohl Menschen gibt.

Der gelbe Kreis schafft Raum. Raum, den Anderen wahrzunehmen - in der Rolle des Zuhörers an einer der Hörstationen, als Teilnehmer eines Einandertreffens, als Begleiter eines Selbsttreffens. Raum, den Anderen wahrzunehmen, auf seinem Weg zu den eigenen Antworten, in seinem ganz eigenen Verhältnis zu diesen Fragen. Es kann gut passieren, dass ich nicht nachvollziehen kann, was der Andere sagt. Dass ich höre, dass ihm oder ihr Dinge wichtig sind, die mir ganz unwichtig erscheinen. Und gleichzeitig gibt es etwas, das uns verbinden kann: Wir stellen uns den gleichen Fragen. Wir können einander zuhören in unserem Ringen um die Antworten, die so schwer zu greifen sind.

"Was tue ich auf der Erde?" und "Was bedeutet es für mich, auf der Welt zu sein?" Der gelbe Kreis trägt diese Fragen des Bewusstseins aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit der Stadt. Was passiert in einer Stadt, in der diese Fragen an jedem Ort, zu jeder Zeit Raum finden können, in einem gelben Kreis, auf einer Insel des Bewusstseins?

In den wenigen Wochen, seitdem ich das Projekt kenne, hat sich meine Wahrnehmung der Stadt und mein Verhältnis zu ihr und zu den in ihr lebenden Menschen verändert. "Ort des Treffens" hat für mich gewirkt, als Möglichkeit und als Realität, ohne dass ich bisher selbst im Prozess des Selbsttreffens und Einandertreffens aktiv gewesen bin.

Dana Bolte (Hannover) - September 2009

 

 

 

Reflektion über mich selbst als Teammitglied

Gerade denke ich, wie gut das Kunstprojekt "Ort des Treffens" mir (auf mich) passt (diesmal werde ich persönlich). Im wortkargen Norddeutschland auf dem Lande aufgewachsen, Flüchtling, von einer fremdsprachigen Mutter erzogen (Norwegerin), mit dem Gymnasium in die Stadt geworfen, Kommunikation mühsam gelernt - aber immer Sprache/n (und Natur) im Vordergrund des Interesses.

Auf eine begnadete - jugendbewegte - Deutschlehrerin getroffen. Ganz viel Goethe und Schiller. Sie gab mir als Abiturarbeit "Über das Gespräch" mit einem Textausschnitt von Martin Buber. Seltene Studienkombination Gemanistik (Literatur) – Biologie, schwer Vereinbares vereint, scheint meine Spezialität zu sein. Studium der Verhaltensforschung, vor allem über Kommunikation von Tieren gearbeitet, dann die Dissertation Spielverhalten in einer gemischten Menschenaffengruppe.

Ach ja, und ich kenne alle Vogelgesänge, die es bei uns gibt! Eine Zeitlang als Übersetzer von Büchern gearbeitet (aus d. Englischen, ohne Auftrag auch aus Norwegisch-Dänisch-Schwedisch) In einer anderen Zeit Gesprächskreise organisiert, dann LebensLese.Treff. Bei Ort des Treffens geht es zunächst um das Selbst-Gespräch und -Bewusstsein = Selbsttreffen; das ist eine sinnvolle Vorstufe zum Gespräch = Einandertreffen.

ORT DES TREFFENS: Erst die Reflektion, dann die Kommunikation, dadurch die Veränderung der gesellschaftlichen Umgebung = soziale Skulptur.

Helge Mücke, Hannover, April 2011

 

 

 

Hören als Ort

Erfahrungen eines Teammitgliedes


Was tue ich außerhalb des Kreises?
Was bedeutet es für mich Zuhörer zu sein?

Es gibt eine sichtbare Seite, die leicht zu beschreiben ist, und eine unsichtbare Seite. Die offensichtliche Seite ist mein Sitzen auf einem Stuhl außerhalb des gelben Kreises, in dem ein anderer Mensch auf einem Stuhl sitzt und spricht. Ich sitze in offener Haltung, oft mit geschlossenen Augen und sage nichts. Ich höre zu. Manchmal öffne ich die Augen, sehe den Menschen an, der da sitzt, schaue auf den gelben Kreis und den Umraum.

Das Unsichtbare bezieht sich auf mein Zuhören, auf die „innere Arbeit", die vor allem darin besteht den Raum freizuhalten. Mein Zuhören so zu gestalten, dass ich einen Freiraum schaffe, für denjenigen, der da spricht. Freiraum heißt in diesem Fall: ein Raum, der frei ist von Urteilen, frei von meinen Assoziationen und Gedankenblitzen und frei von meinen Kommentaren und anderen unmittelbaren Reaktionen. Das Gesagte tritt zu Tage und hat den Raum, so zu erscheinen, wie es ist. Ich nehme es auf, aber re - agiere nicht.

Wenn es mir gelingt auf diese Art zuzuhören, kann ich tatsächlich den Menschen hören, der da spricht. Ich verlasse das Gebiet, in dem ich all das Gesagte in die Waagschale meines Wissens und meiner Erfahrung werfe, so dass für mich eine vollkommen neue Erfahrung entstehen kann. Das Gesagte braucht sich nicht zu messen an dem, was ich weiß, was ich glaube, was ich meine, was ich befürworte und was ich ablehne, sondern ist in diesem Moment etwas fundamental Neues, da ich die Grenze meines Wissens hinter mir lasse. Das Sprechen erscheint mir als Schöpfungsakt, wo etwas Einmaliges zu Tage tritt, auch wenn es sich in Worte kleidet, die mir an sich bekannt sind.

Diese Art von Zuhören bedeutet für mich Vertrauen zu haben. Vertrauen, da ich mit größtmöglicher Offenheit in diese Situation gehe. Vertrauen zeigt sich in meinem Augen-Schließen. Ich gebe das Sehen ab, verzichte auf visuelle Eindrücke, und damit auch auf das, was uns das Auge vermeintlich an Sicherheit gibt, und bekomme Einsichten, die mir sonst entgehen. Meine Wahrnehmung verdichtet sich auf das Hören. Das ist der eigentliche ORT, das Hören. Wenn ich die Stille aushalte, ohne innerlich darauf zu drängen, dass etwas gesagt wird, entsteht etwas Besonderes. Die Person im Kreis hört auf sich, auf das, was da kommt und vielleicht gesagt werden will (so habe ich es zumindest in meinem Selbsttreffen erlebt), und ich höre auf dieses Lauschen. Ich höre dem Zuhören des anderen Menschen zu. Dann sitzen zwei lauschende Menschen beieinander. Aber nicht in Erwartung auf das, was kommt, sondern mit Konzentration auf das, was ist. In diesem Moment lasse ich den Anderen ganz allein.

Allein - lassen aber nicht im Sinn von fallen lassen, sondern als Respekt vor dem Raum, der nur diesem Menschen gehört. Ich ziehe mich zurück, z.B. durch das Augenschließen, werde ganz bescheiden und höre nur zu. Auch das Allein-lassen hängt unmittelbar zusammen mit dem Vertrauen. Insofern ich nämlich den Menschen, der sich da in den Kreis gesetzt hat, im Vertrauen darauf alleine lasse, dass er sich selbst zu dieser Begegnung entschieden hat, und den Raum füllen oder leer lassen kann, so wie es für ihn richtig ist. Das Allein - lassen ist meines Erachtens die notwendige Voraussetzung, dass sich ein Mensch selbst treffen kann. In diesem Raum gibt es niemanden mehr, der einem antwortet, der den Ball des Gesagten zurückspielt. Der Sprechende verantwortet jedes Wort selbst. Hier gibt es nur ein Gefäß. Ich als Zuhörer, als Begleiter, der außerhalb des Kreises sitzt, bin in diesem Augenblick Gefäß für das Gesprochene, für den Moment und was sich darin ereignet. Das Gefäß nimmt nicht das eine auf und stößt das andere ab, sondern es ist allem gleichviel Schale.

Natürlich geht es nicht darum, die größtmögliche Neutralität zu erreichen, um dieses Schale-Sein zu erreichen, sondern ich erlebe es unbedingt als liebende Geste. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass jedes Selbsttreffen ein Echo hat, einen Nachhall, der mich begleitet.

Und natürlich trifft diese Beschreibung nicht auf jeden Moment meines Zuhörens zu. Dieser dynamische Prozess ist jedes Mal anders, beeinflusst von vielerlei Faktoren und es entwickelt sich jedes Mal etwas Neues.
Lukas Oertel - Juni 2009 (leicht bearbeitet)